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GOLEM - Dreamweaver
Label: Nuclear Blast / Eastwest |
Nun, ganz taufrisch ist der „Dreamweaver“ nicht mehr, aber Earshot - das virtuell-periodische Zine qualitativer Metalkritik - möchte diese außerordentliche Scheibe natürlich unbedingt im Archiv haben. Mir bis dato unbekannt, der letzte Longplayer von GOLEM erschien vor fünf Jahren, werde ich die Ostdeutschen zukünftig garantiert auf der Einkaufsliste führen, so formvollendeten Innovativ-Death findet man in True Metal-Land selten. Wenn doch, dann zur Zeit am ehesten im Osten, siehe DISILLUSION. Dass sich die Band nur ungern mit CARCASS vergleichen lässt und sich darauf reduziert fühlt, ist ihr allerdings selbst zuzuschreiben. Für die Stimme des Frontmanns/Kompositeurs/Produzenten Andreas Hilbert ist nun mal Jeff Walker der adäquateste Vergleich und insbesondere die Feinschmecker-Soli Carsten Mais sind locker auf dem Niveau Amotts, was GOLEM allerdings lediglich in die qualitative Nähe der Briten führt. Zum Beweis der Eigenständigkeit reicht allein das fantastische Songwriting: Die ersten zehn Songs ergehen sich in grindigem (leicht polnischem) Hochgeschwindigkeits-Death Metal ergänzt um genreübergreifende Gitarrenexkursionen und punktgenau platzierte Mid-Tempo-Passagen – alles im denkbar fettesten Klanggewande. Lediglich bei „Breeder“ tritt das Quartett aufs Bremspedal und klingt sogleich verdächtig nach MORBID ANGEL. „The Tower“ bringt eine wesentliche Neuerung dem Death Metal näher: die Kirchenorgel. Richtig gelesen, das mächtige, sakrale Tasteninstrument spendiert ein Intro und verleiht dem Blastmassaker im Folgenden eine verdammt bombastische Note. Von dem Stoff wünscht man sich ein komplettes Album! Der anschließende Titeltrack, ein Instrumental, beendet den Part mit, ich nenne es mal, regulärem Songmaterial mit einem YNGWIEmäßigen Solo. Schließlich „Le Sacre Du Printemps” respektive die GOLEM-Medley-Version des Balletts von Igor Strawinsky, das zwangsweise süßeste Erinnerungen an die Klassik-Thrash-Übergötter MEKONG DELTA aufkommen lässt; eine ebenso komplexe wie stilistisch gewagte Achterbahnfahrt übers Griffbrett der Elektrischen.
Beitrag vom 29.09.2004 Zurück
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